Johann Baptist Anton Freiherr von Federspiel
1755–1777
von Albert Fischer
Johann Baptist Anton von Federspiel wurde am 23. Oktober 1708 auf Schloss Fürstenburg im oberen Vinschgau als ältester Sohn des bischöflichen Schlosshauptmanns Luzius Rudolf von Federspiel und der Maria Anna Elisabeth Freiherrin von Rost geboren. Sein Vater, dessen Familie aus Domat/Ems stammte, war ein Bruder des früheren Churer Bischofs Ulrich VII. von Federspiel; seine Mutter wiederum eine Schwester des Bischofs Johann Baptist von Rost.
Die Schulbank drückte der junge Federspiel zuerst an der Klosterschule Marienberg, seit 1724 weilte er in Innsbruck, wechselte 1726 für kurze Zeit an die Universität nach Dillingen und absolvierte als Alumnus des Bistums Chur sein Theologiestudium am Collegio Germanico in Rom (1727–1731). Am 22. Juli 1731 wurde er zum Priester geweiht. Auch Federspiel bekleidete längst vor den höheren Weihen (bereits seit 1724) ein Churer Kanonikat. 1739 wurde er Domkantor, 1743 dann Domdekan.
Nach dem Tod seines bischöflichen Onkels von Rost 1754 demonstrierte der Gotteshausbund unter Drohung der Konfiskation bischöflicher Güter zum wiederholten Mal seine Absicht, einzig einen Bundesgenossen als neuen Bischof zu akzeptieren. Das Domkapitel trat als Wahlbehörde am 3. Februar 1755 zusammen. Favorit im ersten Wahlgang war Domkantor Dionys von Rost (1744–1755, Domdekan 1755–1777); er verfehlte aber die nötige Stimmenmehrheit. Am 6. Februar wählte das Kapitel überraschend Johann Baptist Anton von Federspiel zum Bischof; die Beschwörung der sechs Artikel von 1541 wurde erfolgreich abgewehrt, was den Gotteshausbund bewog, den Neugewählten nicht offiziell anzuerkennen. Ungeachtet dessen erfolgte die päpstliche Bestätigung am 21. Juli desselben Jahres, und am 14. September 1755 spendete im Dom zu Brixen der dortige Oberhirte Leopold Maria Joseph von Spaur (1748–1778) Federspiel die Bischofsweihe. Am 23. März 1757 schliesslich empfing der neue geistliche Fürst auf dem Churer Bischofstuhl von Kaiser Franz I. Stephan (1745–1765) die Reichsregalien.
Während sich die Beziehungen des Bistums zur Stadt Chur und zum Gotteshausbund unter Federspiel merklich verbesserten, kam es im österreichischen Diözesanteil infolge der immer stärker werdenden staatlichen Abhängigkeit des örtlichen Klerus zu wiederholten Streitigkeiten zwischen Chur und der Innsbrucker Regierung. Um das jahrhundertealte Beziehungsgeflecht zwischen Bistum und Österreich nicht ernsthaft zu gefährden, beschränkte sich Federspiel vorderhand auf die Verteidigung der bischöflichen Immunität und Jurisdiktion. Der Forderung von 1755, die neuen Pfarrherren sollten jeweils durch einen landesfürstlichen Kommissar in die Temporalien eingesetzt werden, widersetzte sich Federspiel. Mit deutlichen Worten protestierte er ferner gegen die Einführung eines neuen Katechismus aus der Feder des Augustiner Chorherrn Benedikt Strauch [Katechetiker, Begründer des biblischen Geschichtsunterrichts und Schulreformer (1724–1803), Prior und Abt des Stifts Sagan (1763/1778–1803)] in allen österreichischen Landesteilen und gegen Sonderbesteuerungen des Klerus. Die aufklärerische Tendenz staatlicher Einmischung in kirchliche Belange machte sich auch in Liechtenstein bemerkbar: Der Churer Bischof wurde 1756 an der Visitation der Pfarrsprengel im “Ländle” ohne vorherige Anzeige dem Landesfürsten gegenüber gehindert. Bischöfliche Protestnoten zeitigten keine Wirkung.
Durch seine Studien an jesuitischen Bildungszentren nördlich wie südlich der Alpen pflegte Federspiel exzellente Beziehungen zum Reformorden der Società Jesu. Noch kurz vor dessen Auflösung (1773) befasste sich der Churer Bischof 1766 mit dem Projekt der Errichtung eines Jesuitenkollegs auf Bündner Boden, welches aber (seit dem 17. Jahrhundert) aufgrund ungemein schnell wachsender Opposition weiterhin keine reellen Chancen hatte. Als das Kolleg in Feldkirch nach der Ordensaufhebung seine Tore schliessen musste, versuchte Federspiel vergeblich, die Räumlichkeiten für ein Diözesanseminar zu erhalten. Die Studienfreiplätze in Dillingen hingegen konnten für Studenten aus dem Bistum Chur gerettet werden.
Am 27. Februar 1777 starb Johann Baptist Anton von Federspiel an den Folgen eines Schlaganfalls in Chur und wurde wie bereits seine Amtsvorgänger in der Bischofsgruft der Domkirche beigesetzt.