Johannes Fidelis Battaglia

Bischof von Chur 1889-1908


von Albert Fischer





Nach der Beisetzung Rampas trat das Churer Domkapitel Anfangs November 1888 zusammen und wählte am 6. des Monats im zweiten Wahlgang Johannes Fidelis Battaglia, welcher unter Franz Konstantin Rampa als stiller Arbeiter am Ordinariat die bischöfliche Kanzlei geführt hatte.

 

Johannes Fidelis Battaglia stammte aus Parsonz und wurde am 19. Februar 1829 als Sohn des Bauern Jakob Fidelis Battaglia und seiner Ehefrau Agnes Guetg im Oberhalbstein geboren. Aus der väterlichen Verwandtschaft gingen seit dem 18. Jahrhundert mehrere Geistliche hervor, welche u.a. auch zu Residentialen des Churer Domkapitels aufstiegen: so Johann Anton Battaglia (Domkantor 1776-1781, Domscholastikus 1781-1802); Bartholomäus Battaglia (Domscholastikus 1814-1826); Johann Maria Battaglia (Domsextar 1827-1836, Domdekan 1836-1843) und Bartholomäus Anton Battaglia (Domkustos 1862-1868) [siehe: Verzeichnis des Residentialkapitels].

Da Johannes Fidelis seine Mutter früh verlor, wurde er seit dem 11. Lebensjahr bei einem geistlichen Onkel erzogen, wo er neben seiner rätoromanischen Muttersprache auch das Deutsche erlernte. Nach dem Besuch der dem Priesterseminar St. Luzi angegliederten Knabenschule in Chur und der Stiftsschule in Einsiedeln studierte er 1850 bis 1855 als Alumnus des Collegium Germanicum an der Università Gregoriana in Rom Theologie. Daselbst wurde er am 2. Juni 1855 für das Bistum Chur zum Priester geweiht.

Zurück im Bündnerland unterrichtete Battaglia alte Sprachen an der oben genannten Knabenschule in Chur (1857-1859) und zwischen 1859 und 1874 am Kollegium Maria Hilf in Schwyz. Für 1867/68 figuriert er zudem als Pfarrprovisor in Falera. Auf Bitten der Generaloberin übernahm Battaglia anschliessend die Stelle eines Spirituals am Mutterhaus der Schwestern vom Hl. Kreuz in Ingenbohl (1874-1879), wo er sich durch die Abfassung neuer Ordenskonstitutionen und die Neubearbeitung eines Betrachtungsbuches von Pater Theodosius Florentini verdient machte. 1879 berief ihn Bischof Franz Konstantin Rampa als Kanzler an den Hof zu Chur; gleichzeitig wurde Battaglia nichtresidierender Churer Domherr.

 

Nach Eingang der päpstlichen Bestätigung Battaglias Wahl zum neuen Churer Ordinarius am 14. Februar 1889 spendete ihm wiederum der St. Gallener Bischof Augustin Egger (1882-1902) unter Assistenz des Bischofs von Basel und des Feldkircher Weihbischofs am 31. März 1889 die Bischofsweihe in der Kathedrale zu Chur.

 

Bereits innerhalb der ersten drei Jahre seines bischöflichen Wirkens visitierte Battaglia alle Gemeinden in seinem weitreichenden Churer Sprengel und spendete gleichzeitig das Sakrament der Firmung.

Seine Amtszeit war insbesondere durch die wachsende Bedeutung des Diasporakatholizismus im Kanton Zürich und durch entsprechende Errichtung neuer Pfarreien sowie sozialcaritativer Einrichtungen in diesem Kanton geprägt. Zwischen 1890 und 1910 wurden insgesamt 13 Pfarreien errichtet: St. Franziskus in Wetzikon (1890), St. Josef in Affoltern am Albis (1891), Liebfrauen in Zürich-Unterstrass (1893), Hl. Dreifaltigkeit in Adliswil (1894), St. Marien in Wädenswil (1895), Herz-Jesu in Zürich-Oerlikon (1895), St. Felix und Regula in Thalwil (1899), Hl. Kreuz in Zürich-Altstetten (1900), St. Laurentius in Bülach (1902), St. Primin in Pfungen (1902), St. Antonius in Bauma (1903), St. Georg in Küsnacht-Erlenbach (1903) und St. Antonius in Kollbrunn (1910).

Die 1904 bis 1991 erschienene Tageszeitung “Neue Zürcher Nachrichten” unterstützte Aufbau und Festigung der katholischen Verbände und die 1896 gegründete christlich-soziale Partei [heute: CVP].

Nach 1890 suchten zudem viele Zuwanderer aus Norditalien Arbeit im Kanton Zürich. Sie bildeten dabei eine konfessionelle und sprachliche Minderheit. 1896 gab es in der Stadt Zürich bereits 18'000 italienische Daueraufenthalter, so dass im Jahre 1903 die Missione Cattolica Don Bosco in Zürich-Aussersihl, einem multikuturellen Quartier, gegründet und daselbst ein Gotteshaus für die Seelsorge durch Salesianerpatres eingeweiht werden konnte (Vergrösserung der Kirche 1953).

 

Die bereits unter Bischof Rampa ins Auge gefasste Neuedition des Rituale konnte auch Battaglia nicht verwirklichen, obwohl insbesondere die beiden Geistlichen Dompropst Gaudenz Willi (1842-1920) und Moralprofessor Benedikt Niederberger (1853-1914) weitere wertvolle Vorarbeiten leisteten. Niederbergers Absicht ging klar dahin, das Rituale Romanum – gegen den Willen Roms – unter Beibehaltung der alten Churer Besonderheiten (Ausgabe von 1850) neu zu edieren.

Hingegen ist unter Bischof Battaglia auf Initiative des Bischöflichen Kanzlers und späteren Bischofs Georg Schmid von Grüneck (1889-1898) die Herausgabe der zwischen 1895 und 1967 erschienenen “Folia officiosa pro venerabili clero dioecesis Curiensis” als erstes offizielles und wichtiges Publikationsorgan des Bistums Chur zu nennen.

 

Obwohl bis ins hohe Alter rüstig, resignierte Johannes Fidelis Battaglia am 12. Februar 1908 auf das Bistum, stellte sich aber für bischöfliche Amtshandlungen weiter zur Verfügung. Am 3. Juli 1909 erhielt er von Papst Pius X. (1903-1914) den Rang eines Titularbischofs von Cyzicus (Kyzikos, griechische Stadt an der Südküste des Marmarameeres in der antiken Landschaft Mysien [heute: Baliz bei Erdek, Türkei]). Battaglia starb am 10. September 1913 im St. Johannes-Stift in Zizers an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde auf dem Friedhof vor der Kathedrale von Chur am 13. September 1913 beigesetzt.