Johannes IV. Naso (Naz)

1418 – 1440

 

von Albert Fischer

 

 

 

Johannes Naso war der Sohn eines Prager Adeligen, der im Dienst des königlichen Hofes stand. Als erstes Zeugnis finden wir seine Immatrikulation als Student der Jurisprudenz in Prag. Spätestens 1399 ist er als Kanoniker am Veitsdom zu Prag verzeichnet. Im selben Jahr promovierte er zum Doktor des kirchlichen Rechts in Padua, 1402 zum Dr. iur. civ. an der renommierten Universität Bologna. Nach Prag zurückgekehrt, erhielt er die Priesterweihe (1402) und erlangte in den folgenden Jahren eine beträchtliche Anzahl von Pfründen, wurde persönlicher Sekretär König Wenzels IV. von Böhmen und 1408/09 Mitglied in dessen Rat. In dieser Position erlebte er den Ausbruch der hussitischen Bewegung, deren Bekämpfung er seine ganze Kraft widmete. 1409 treffen wir ihn als Mitglied der königlichen Gesandtschaft auf dem Konzil von Pisa (1409). Unter Papst Johannes XXIII. (1410–1415) amtete Johannes Naso in Rom als Rota-Auditor. Im Auftrage König Wenzels IV., der den Ruf der Ketzerei von Böhmen fernhalten wollte, vermochte Naso den Prozess gegen Jan Hus zunächst zu verhindern. Doch auf dem Konzil von Konstanz (1414–1418) hielt Naso vor der deutschen Nation nicht nur eine scharfe Anklagerede gegen die Hussiten, sondern trat dort wiederholt auch als direkter Kläger gegen Hus auf.

 

Am 11. Juli 1418 verlieh Papst Martin V. (1417–1431) auf Vermittlung Kaiser Sigismunds I. (1410–1437) Johannes Naso, der wegen seiner Gegnerschaft zur hussitischen Bewegung weder in seine Prager Heimat zurückkehren konnte noch wollte, das Bistum Chur. Dieses war infolge Abberufung Johannes III. Ambundii (1416–1418) zum Erzbischof von Riga (1418–1424) vakant. Der Papst erlaubte Naso, sich von einem beliebigen Bischof weihen zu lassen; die Konsekrationsfrist wurde zweimal verlängert, zuletzt bis Weihnachten 1419. Am 1. Dezember 1419 ist Naso erstmals als «episcopus» bezeugt.

In Chur führte Naso den Kampf gegen die Hussiten zunächst aktiv fort (Teilnahme an einem Feldzug im Sommer 1422), doch setzte die zunehmend prekäre Lage des Hochstifts Chur seinem weiteren Einsatz Grenzen. Güter und Rechte des Bischofs als Landesherr wurden durch die komplizierte politische Organisation Bündens und durch die Autonomiebestrebungen der Gemeinden im 15. Jahrhundert immer häufiger beschnitten. Ferner häuften sich Auseinandersetzungen wegen Territorialansprüchen zwischen dem Churer Bischof und dem Grafen von Toggenburg sowie den Herren von Matsch; eidgenössische bzw. österreichische Vermittlungen brachten Teilerfolge.

 

Die ausgezeichneten Beziehungen zu Sigismund, der Naso zur Bischofswürde verholfen hatte, verdeutlichen sich u.a. darin, dass der Churer Ordinarius den Kaiser auf dem Konzil von Basel (1431–1449) vertrat; dort kämpfte er gegen eine extreme Anwendung der konziliaren Theorie, um die Einheit von Reich und Kirche zu bewahren. In Regensburg bestätigte der Kaiser in Anwesenheit des Bischofs am 14. September 1434 alle Rechte und Privilegien des Churer Hochstifts.

Die ständige Abwesenheit Naso’s von Chur und Bistum – seine Arbeit im Dienst des Reiches stand weitgehend im Zentrum seiner Amtszeit – führte zu immer grösseren Spannungen mit der Stadt Chur und dem Gotteshausbund, in deren Verlauf Naso 1437 kurzzeitig gefangen gesetzt wurde; daraufhin wich Naso in den Vinschgau aus. 1439 bestellten die Stadt Chur und der Gotteshausbund drei Pfleger für die diözesane Verwaltung.

Am 24. Januar 1440 starb Johannes Naso in Meran; er fand in der dortigen Pfarrkirche St. Nikolaus seine letzte Ruhestätte.