Kaspar de Carl ab Hohenbalken
1844–1859
von Albert Fischer
Kaspar de Carl wurde am 27. März 1781 in Tarasp (Unterengadin) geboren. Die seit dem 12. Jahrhundert im bündnerischen Münstertal nachweisbare und später weit verzweigte Familie de Carl war eines der ältesten und bedeutendsten Ministerialgeschlechter der Bischöfe von Chur.
Im Benediktinerkloster Marienberg (Vinschgau), in Pfunds am Inn und in Hall erhielt Kaspar sein gymnasiales Rüstzeug. Danach studierte er in Innsbruck Philosophie und im Priesterseminar in Brixen Theologie. Am 6. Oktober 1804 trat er als Alumnus in das Priesterhaus in Meran ein, wo er semestrale wie Schluss-Examina ablegte. In dieser Zeit wurde er am 30. Dezember 1804 in der Seminarkapelle (im Turm des Vinschgauertors) zu Meran zum Priester geweiht. Als Repetent arbeitete de Carl anderthalb Jahre im 1801 errichteten Meraner Priesterseminar und versah gleichzeitig die örtliche Spitalseelsorge. Mit dem Churer Bischof 1807 des Landes verwiesen, berief ihn Karl Rudolf von Buol-Schauenstein 1808 als Professor der Rhetorik an das Priesterseminar St. Luzi; später wurde de Carl dort Präfekt und erhielt den Lehrauftrag in Moraltheologie und Kirchenrecht. 1830 übernahm er die Leitung des Seminars (Regens). 1826 wurde er Domsextar, dann Domkustos, 1841 Dompropst.
Nachdem er sich 1842 auf Drängen des Nuntius Girolamo d’Andrea (1841–1845) und im Einverständnis mit dem wahlberechtigten Domkapitel zur Annahme der Koadjutorie mit dem Recht der Nachfolge für den dienstunfähigen Bischof Johann Georg Bossi (1835–1844) bereit erklärt hatte, erfolgte 1843 seine Ernennung zum Titularbischof von Hippo. Die Bischofsweihe erhielt er am 19. November 1843 durch den Nuntius in Chur. Mit dem Tod Bossis 1844 übernahm er die volle Verantwortung über die Churer Diözese.
Zwei Ereignisse in seiner Amtszeit sollen hier kurz Erwähnung finden. Von den zahlreichen Auseinandersetzungen um das Verhältnis von Kirche und Staat sei die harte Auseinandersetzung de Carls mit dem Kanton Graubünden um den konfessionellen Charakter der Kantonschule in Chur genannt. Der Kanton hob 1850 gegen den Widerstand des Bischofs und weiter Teile der katholischen Bevölkerung den katholischen Status auf. In der Folge errichtete der Bischof zur Förderung des Priesternachwuchses ein bereits früher existentes, aber dann eingegangenes Knabenseminar in Chur, das 1859 an das Kollegium Maria Hilf in Schwyz verlegt wurde.
Im Zusammenhang mit zwei Gründungen von Schwesternkongregationen in der Schweiz des 19. Jahrhunderts trat der Kapuziner und spätere Churer Generalvikar (1860–1865) P. Theodosius Florentini (1808–1865) in das Wirkfeld des Churer Bischofs. Florentini gründete 1844 mit Bernarda Heimgartner (1822–1863) die Kongregation der Lehrschwestern vom hl. Kreuz von Menzingen; die Satzungen wurden 1845 von Kaspar de Carl approbiert. 1852 gründete der Kapuzinerpater mit Maria Theresia Scherer (1825–1888) die Kongregation der Schwestern des hl. Kreuzes von Ingenbohl, die neben Schulen auch Spitäler, Waisen- und Altenheime betreute und in vielen Orten die ambulante Krankenpflege übernahm.
Den seit 1855 als Generalvikar wirkende Albert von Haller (1808–1858) erbat de Carl von Rom zusätzlich als Weihbischof (1858). Kaspar de Carl überlebte ihn um ein Jahr; de Carl starb am 19. April 1859 in Chur und wurde in der Kathedrale begraben.