Laurenz Matthias Vincenz

Bischof von Chur 1932-1941





von Albert Fischer


Laurenz Matthias (romanisch: Luregn Mathias) Vincenz wurde am 26. März 1874 in Andiast in der Surselva als Sohn des Landwirtes Gion Gieri Vincenz und der Maria Margaretha Spescha geboren.

Seine Gymnasialzeit absolvierte er an den Klosterschulen von Disentis und Einsiedeln und trat anschliessend als Alumnus in das Churer Priesterseminar ein, wo er am 16. Juli 1899 von Bischof Battaglia zum Priester ordiniert wurde. Zwischen 1899 und 1901 weilte er zum Weiterstudium in Kirchenrecht an der Università Gregoriana in Rom und wohnte in dieser Zeit im Germanikum. Nach erfolgreicher Promotion zum Doktor in Kirchenrecht (dr. iur. can.) kehrte er ins Bistum Chur zurück und wirkte zuerst als Vikar in der Pfarrei Herz Jesu in Oerlikon/ZH (1901-1904) und dann in selber Funktion in der Stadtpfarrei St. Peter und Paul in Zürich (1904-1908).

 

Im September 1908 ernannte Bischof Schmid von Grüneck Vincenz zum Bischöflichen Kanzler (1908-1917) und nach erfolgter Reorganisation der Bistumsverwaltung 1917 zum Generalvikar und Offizial des Bistums (1917/19-1932). Bereits 1915 berief ihn Schmid ins Churer Domkapitel; 1921 wurde als Domscholastikus (bis 1928) residierender Kanonikus. Am 29. Mai 1928 wählte ihn das Domkapitel zum Domdekan (1928-1932).

Nach dem Tod von Weihbischof Antonius Gisler (gest. am 4. Januar 1932) ernannte Papst Pius XI. (1922-1939) am 30. März 1932 den Churer Generalvikar zum neuen Weihbischof (Bischof von Paphos, Zypern) mit dem Recht der Nachfolge des greisen Schmid von Grüneck. Noch bevor Vincenz konsekriert werden konnte, verstarb Schmid am 6. Mai 1932, so dass Vincenz ihm direkt als neuer Churer Ordinarius nachfolgte. Von Nuntius Pietro De Maria (1926-1935) erhielt Vincenz am 22. Mai 1932 in der Kathedrale zu Chur die Bischofsweihe.

 

Die neunjährige Amtszeit “des schlichten und zurückhaltenden, aber doch volksverbundenen Bischofs” war innerkirchlich durch keine großen Ereignisse gekennzeichnet; hierzu trugen die gespannte politische Lage nach der Machtergreifung Hitlers 1933 und der 1939 ausgebrochene Zweite Weltkrieg (1939-1945) das ihre bei. Wie bereits früher nach wie vor auch als Hirte ganz auf die Seelsorge ausgerichtet und von “konzilianterer Art als sein machtbewusster Vorgänger”, suchte er das Einvernehmen mit den zivilen Behörden der einzelnen Bistumskantone. Die Situation der Katholiken in der Diaspora, die Vincenz von seinem Wirken als Vikar in Zürich persönlich kannte, war ihm ein besonderes Anliegen. Auch unter seinem Episkopat wurden im Kanton Zürich Missionsstationen zu eigenständigen Pfarreien erhoben: St. Katharina in Zürich-Affoltern (1933), St. Theresia in Zürich-Friesenberg (1933), Bruder Klaus in Zürich-Irchel (1933), Herz Jesu in Turbenthal (1934), St. Martin in Meilen (1935), Maria Lourdes in Zürich-Seebach (1935), St. Verena in Stäfa (1938), Erlöser in Zürich-Riesbach (1938), St. Martin in Zürich-Fluntern (1940) und St. Burkard in Mettmenstetten (1941).

 

Der in den letzten Monaten seiner Amtszeit vermehrt kränkliche Bischof verstarb am 29. Juli 1941 im Kreuzspital in Chur an den Folgen einer Magenoperation. Laurenz Matthias Vincenz wurde wie seine Vorgänger am 31. Juli 1941 unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Bischofsfriedhof vor der Kathedrale beigesetzt.