Ulrich VI. de [von] Mont

1661 – 1692


von Albert Fischer




Ulrich von (de) Mont [heute: Demont] wurde am Neujahrstag 1624 in Vella im Lugnez als Sohn des Landschreibers des Grauen Bundes, Albert von Mont, und der Margaretha de Marmels geboren. Die von Mont waren eine Notablenfamilie des Oberen/ Grauen Bundes. Der Grossvater Lucius von Mont war mehrere Male Landrichter, d. h. Bundesoberhaupt des Oberen/Grauen Bundes, und galt zur Zeit der Bündner Wirren als einer der katholischen Führer.

 

Ulrich von Mont besuchte die Klosterschule in Disentis; 1639 bis 1646 studierte er an der Universität Dillingen (Magister der Philosophie), wo er mit dem Gedanken rang, dem Jesuitenorden beizutreten. Sein Gesuch um Aufnahme in den Orden wurde jedoch von der Propagandakongregation am 15. Oktober 1646 abgelehnt. Nach seiner Priesterweihe in Chur am 18. September 1649 wirkte er 1650 bis 1656 als Pfarrer in Domat/Ems. Als sein Onkel Hieronymus von Mont (1614–1689) 1657 auf die Präbende des Domkantors resignierte, bekam diese am 26. September 1657 Ulrich. Bereits vier Jahre später wählte ihn das Churer Domkapitel am 23. Februar 1661 zum Bischof; erst Ende Jahr 1661 erfolgte von Rom die Wahlbestätigung. Am 5. Mai 1662 erteilte ihm Nuntius Federico Borromeo (1654–1665) in der Kathedrale zu Chur die Bischofsweihe. Dem Nuntius gelang es, den Gottes-hausbund zur Anerkennung von Monts zu bewegen. Am 16. Juni 1663 empfing dieser dann die Reichsregalien.

 

In seiner Amtszeit visitierte er wie sein Vorgänger mit Fleiss seinen Sprengel. Zwischenfälle blieben ihm dabei nicht erspart. Als das Dominikanerinnenkloster Maria-Steinach bei Algund im Vinschgau 1662 die bischöfliche Visitation unter Berufung auf seine Exemtion verweigerte, verhängt der Bischof über Priorin und Beichtvater kurzerhand die Exkommunikation. Dank den Vermittlungen durch Nuntius Borromeo anerkannten die Nonnen 1663 den Churer Bischof als Visitator. Ähnliche Schwierigkeiten bereitete das Franziskanerinnenkloster St. Klara in Meran. 1670 erliess von Mont neue Verordnungen zur Reform der Benediktinerinnenabtei Müstair.

 

In den Gemeinen Drei Bünden blieb das Verhältnis der beiden Konfessionen weiter angespannt; mit der Unterstützung Österreichs und von Monts Kompromissbereitschaft (1673: Auflösung der Kapuziner-Missionstation in Tomils) konnten grössere Auseinandersetzungen vermieden und das unter Johann VI. Erreichte bewahrt werden. 1677 verkaufte Thusis die in seinem Besitz befindlichen Klostergüter von Cazis dem Bischof.

 

Im unseligen Prozess der Drei Bünde gegen Domdekan Mathias Sgier (1664–1687), einem eifrigen spanischen Parteigänger, vermochte Bischof Ulrich VI. lediglich die Zuständigkeit des bischöflichen Gerichts zu behaupten, die Ausweisung Sgiers aus Bünden 1679 aber nicht verhindert. Auf österreichischen Druck hin konnte der Domdekan 1683 von Feldkirch nach Chur zurückkehren und wurde rehabilitiert.

 

Die genaue Erforschung des drei Jahrzehnte dauernden Episkopats Ulrichs VI. von Mont ist bis dato ein Desiderat. Der Bischof starb am 28. Februar 1692 in Chur und wurde in der Kathedrale beigesetzt.